Tempelhofer Feld  Berlin


Vom Rübenacker zum Exerzierplatz der preußischen Armee, vom Konzentrationslager zum Flughafengelände. Das Tempelhofer    Feld hat eine vielfältige Vergangenheit erfahren. Heute bietet das Areal den Großstädtern die unterschiedlichsten Möglichkeiten      zur Erholung und Freizeitgestaltung. Somit hat es sich zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Hauptstadt entwickelt.

 

 


Das zwischen den Berliner Stadtteilen Schöneberg, Tempelhof, Neukölln und Kreuzberg gelegene Tempelhofer Feld hat eine lange und bewegte Vergangenheit, die eng mit der Entwicklung und Geschichte der Hauptstadt verbunden ist. Urkundlich erwähnt wird das Tempelhofer Feld erstmals im Jahr 1351. Damals lag das Gelände noch vor den Berliner Stadtgrenzen und war weitaus größer als heute.  Die ortsansässigen Bauern nutzten es weitgehend als Anbaufläche oder Weidegebiet für ihre Tiere. Unter Friedrich Wilhelm I. diente es ab 1722 der Preußischen Armee als Manövergelände sowie Parade- und Exerzierplatz. Mit der Zeit entstanden einige Kasernenanlagen und eine Eisenbahnstation. Das Tempelhofer Feld war bereits im 19. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der Berliner Freizeitkultur. Als beliebtes Ausflugsziel der Berliner wurde es gerne zur Erholung, Freizeit und zum Sport genutzt. Scharenweise zogen die Stadtbewohner  am Wochenende und feiertags raus aufs Feld, um sich mit der Familie, Freunden und Bekannten zu treffen. Ausgerüstet mit Picknickkörben, Decken und Liegestühlen genoss man seine knappe Freizeit. Ein beliebter Zeitvertreib waren Cricket, Tennis und  Fußball. Hierfür gab es  zahlreiche Sportplätze, eine Minigolfanlage und sogar ein Stadion für größere Veranstaltungen. Kinder und Jugendliche fuhren Rollschuh, die sie im Winter gegen Schlittschuhe und Schlitten eintauschten. Zeitweise konnten sich die Menschen an einer Pferderennbahn für den Reitsport begeistern, bis sie 1867 nach Hoppegarten verlegt wurde. Außerdem bot das Feld genügend Freifläche für Attraktionen, wie Zirkus und Rummelplätze. Rund ums Gelände siedelten sich zahlreiche Gastronomiebetriebe an, die für das leibliche Wohl sorgten.

 

Schon früh wurde das Gelände für die Luftfahrt genutzt. Ab 1884 war hier die Luftschifferabteilung des Militärs untergebracht. Von hier aus fuhren sie Testflüge mit dem Ballon, die dem Auskundschaften dienen sollten. Viele Luftfahrtobjekte starteten hier ihre ersten Flugversuche und wurden regelmäßig einem staunenden Publikum vorgeführt. Ende des 19. Jahrhundert leisteten einige leidenschaftliche Tüftler Pionierarbeit auf dem Tempelhofer Feld, die für die Zukunft des Fliegens entscheidend war.

 

Mit Unterstützung der Luftschifferabteilung des Militärs konnten erstmals lenkbare Luftschiffe entwickelt werden. Die beiden Konstruktionen von Dr. Hermann Wölfert und David Schwarz stürzten jedoch nach kurzen Flügen wieder ab. Die Insassen verunglückten tödlich, vor den entsetzen Augen der zahlreichen Zuschauer. Gast bei einer solchen Flugveranstaltung war Graf Zeppelin. Inspiriert von der Idee der Luftschifffahrt, verhalf er ihr zum Welterfolg.

Mut bewiesen auch Arnold Böcklin und die Brüder Otto und Gustav Lilienthal als sie auf dem Tempelhofer Feld ihre ersten Gleitfüge mit Tragflächen erprobten. Waghalsig schwangen sie sich mit nachgebauten Flügeln in die Luft und riskierten dabei ihr Leben. Ihre gewonnenen physikalischen Erkenntnisse trugen maßgeblich für die Entwicklung von Flugzeugen bei. Das Flugprinzip von Otto Lilienthal, der 1896 bei einem Flugversuch tragisch ums Leben kam, wurde von den Brüdern Wright übernommen. Der Gleitflug, der auf Umsetzung von Lageenergie in Auftrieb und Vortrieb beruht, war Grundlage ihrer Konstruktionen. Sie entwickelten den ersten Doppeldecker-Gleitapperat und wenige Jahre später gelang ihnen der erste Flug mit einem motorisierten Doppeldeckerflugzeug. Orville Wright kam 1909 für eine mehrwöchige Flugshow nach Berlin und stellte mit einer Flughöhe von 160 Metern und einer Flugdauer von über einer Stunde neue Weltrekorde auf. Der zivile Luftverkehr nahm in den folgenden Jahren seine Anfänge. Zunächst wurde Johannistal als Standort für den Berliner Flughafen gewählt. Aufgrund der zentralen Lage zog dieser jedoch 1922 auf das Tempelhofer Feld um. Als hier 1923 der Linienverkehr seinen Betrieb aufnahm,

 

zählte der Flughafen Berlin-Tempelhof zu den ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands. Aus der ansässigen Fluggesellschaft, Junkers Luftverkehr, ging später die Deutsche Lufthansa hervor. Im Mai 1924 wurde die Berliner Flughafengesellschaft gegründet, die den weiteren Ausbau des Flughafens vorantrieb, bis er schließlich 1928 fertig gestellt wurde. Der Flughafen Tempelhof entwickelte sich zum wichtigen Drehkreuz für den europäischen Luftverkehr.

 

Nach ihrer Machtergreifung errichteten die Nationalsozialisten ein neues prestigeträchtiges Flughafengebäude. Das noch  heute existierende monumentale Bauwerk entwarf der Architekt Ernst Sagebiel. Baubeginn war 1936, jedoch konnte es erst nach Kriegsende komplett fertig gestellt werden. Als Teil der von Hitler geplanten Welthauptstadt Germania ist das imposante Gebäude    Ausdruck der nationalsozialistischen Ideologie. Zudem zählt es zu den größten zusammenhängenden Gebäudekomplexen weltweit.  

Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges blieb der Flughafen nur teilweise für den zivilen Luftverkehr geöffnet - weite Teile der Anlage dienten der Rüstungsindustrie als Produktionsstätten. Um diese Arbeit zu verrichten, wurden tausende Zwangsarbeiter deportiert und auf dem Gelände untergebracht. Eine ehemalige Militär-Arrest-Anstalt, die zuvor der SS und Gestapo als Gefangenenlager diente, funktionierten die Nazis um zum Konzentrationslager, dem KZ Columbia. Außerdem warteten Mechaniker hier die Sturzkampfbomber der Luftwaffe.  

 

Nach Kriegsende erlangte der Tempelhofer Flughafen Berühmtheit als Symbol der Freiheit. Er spielte eine zentrale Rolle bei der 1948/49 errichteten Berliner Luftbrücke. Aufgrund der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion versorgten die westlichen Alliierten die Bevölkerung über den Luftweg. Voll beladen mit Hilfsgütern flogen die sogenannten „Rosinenbomber“ die Stadt im Minutentakt an. Der zum amerikanischen Sektor gehörende Flughafen wurde nach Kriegsende zum US-Militärstützpunkt, der Tempelhof Air Base. Bereits 1950 gaben die Amerikaner einen kleinen Teil des Flughafens wieder für den zivilen Luftverkehr frei. Durch das stetige Wachstum der Passagierzahlen wurde Ende der 50er Jahre weitere Teile des Flughafengebäudes von der Amerikanern geräumt, darunter auch die große Abfertigungshalle. Nach der Instandsetzung nahm der erweiterte Flughafen 1962 seinen Betrieb auf. Bekannt als „Tor zum Westen“ musste der Flughafen den rasant wachsenden Charter- und Pauschalreiseverkehr bewältigen. Eine große Schadstoffbelastung und Lärmbelästigung der Anwohner waren die Folge. Deshalb schloss die Stadtverwaltung 1975 den Flughafen zeitweise für die Bevölkerung. Nun sollte der Flughafen Tegel den zivilen Luftverkehr übernehmen.  Aus Kapazitätsgründen wurde er jedoch sechs Jahre später wiedereröffnet. Am 30. Oktober 2008 schlossen sich die Tore des Tempelhofer Flughafens endgültig, da man sich aufgrund von Bürgerinitiativen - gerichtet gegen den innerstädtischen Flugverkehr – für eine Schließung entschied. Seit 2010 ist das ehemalige Flughafengelände nun für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar. Die ehemaligen Start- und Landebahnen und weitläufigen Wiesen bieten Platz für die unterschiedlichsten Freizeitmöglichkeiten. Radsportler  ziehen ihre Kreise und Kitesurfer segeln über das Gras. Die Großstadtbewohner entspannen beim picknicken und Grillen mit Familie und Freunden. Das Areal bietet Raum für zahlreiche Projekte; auch finden regelmäßig Events und Festivals statt. Im Flughafengebäude sind zahlreiche Unternehmen untergebracht. Einige Teile dienen momentan Flüchtlingen als Notunterkunft. Somit hat sich das Tempelhofer Feld zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt entwickelt.